Technik
Clara Weiß, Entwicklung
Warum der Typ 1 eine Kupplung mit Seilzug hat
Hydraulik ist bequemer. Ein Seilzug lässt sich am Straßenrand tauschen und kostet 18 €. Wie wir die Handkraft trotzdem auf 38 Newton gebracht haben.

Fast jedes neue Motorrad über 600 ccm hat eine hydraulische Kupplung. Der Typ 1 hat einen Seilzug. Das fragen uns Interessenten bei fast jeder Probefahrt, und die Antwort ist kürzer, als man denkt: Wir wollten, dass Sie eine gerissene Kupplung am Straßenrand selbst reparieren können.
Was für die Hydraulik spricht
Wir haben beides gebaut und beides gefahren. Eine hydraulische Kupplung hat echte Vorteile:
Sie stellt sich selbst nach, wenn die Beläge verschleißen.
Die Handkraft bleibt über die Lebensdauer gleich.
Sie fühlt sich weicher an, vor allem im Stadtverkehr.
Das sind keine Kleinigkeiten. Im Prototyp 2 hatten wir eine hydraulische Kupplung, und die Testfahrer mochten sie.
Was dagegen spricht
Eine hydraulische Kupplung besteht aus Geberzylinder, Leitung, Nehmerzylinder und Flüssigkeit. Geht unterwegs etwas kaputt, ist die Fahrt vorbei. Sie können eine geplatzte Leitung nicht mit Bordwerkzeug flicken, und Hydraulikflüssigkeit hat kaum jemand dabei.
Dazu kommt das Alter. Bremsflüssigkeit zieht Wasser und muss alle zwei Jahre gewechselt werden. Dichtungen in Geber- und Nehmerzylinder werden nach zehn bis fünfzehn Jahren undicht. Für viele Modelle gibt es dann keine Reparatursätze mehr, nur noch komplette Zylinder, und die irgendwann auch nicht mehr.
Was der Seilzug kostet
Ein Kupplungszug für den Typ 1 kostet 18 €. Er hat eine Normlänge, und wenn wir ihn eines Tages nicht mehr liefern könnten, fertigt Ihnen jeder Bowdenzug-Hersteller einen nach Zeichnung. Die Zeichnung steht im Teilekatalog unter KW1-4310.
Wechseln dauert zehn Minuten und braucht zwei Maulschlüssel. Deshalb liegt ab Werk ein Ersatzzug unter der Sitzbank, mit zwei Kabelbindern am Rahmen befestigt.
Und die Handkraft?
Das war das eigentliche Problem. Eine Kupplung für 64 Nm braucht kräftige Federn, und kräftige Federn bedeuten einen schweren Hebel. Wir haben drei Dinge getan:
Anti-Hopping-Kupplung mit Servorampe. Unter Last drückt die Rampe die Scheiben zusätzlich zusammen, deshalb kommen wir mit schwächeren Federn aus.
Längerer Hebelarm am Motor. Der Ausrückhebel ist 14 mm länger als bei unserem ersten Prototyp.
Zug mit Teflon-Innenhülle. Er läuft leichter und muss nicht geölt werden.
Das Ergebnis: 38 Newton am Hebel. Das ist etwa so viel wie bei einer typischen hydraulischen Kupplung dieser Klasse. Wir haben es mit einer Federwaage gemessen, weil uns das Gefühl der Testfahrer nicht gereicht hat.
Nachstellen
Der Nachteil bleibt: Ein Seilzug längt sich, und die Kupplung muss nachgestellt werden. Am Typ 1 geht das mit der Rändelschraube am Hebel, ohne Werkzeug. Das Spiel am Hebelende sollte 10 bis 15 mm betragen. Prüfen Sie es bei jedem Tanken, dann fällt Ihnen ein Problem auf, bevor es eines wird.
Würden wir es wieder so machen?
Ja. Jedes Bauteil am Typ 1 haben wir an derselben Frage gemessen: Kann ein Besitzer es in 25 Jahren noch reparieren? Die hydraulische Kupplung hat diese Frage nicht bestanden. Der Seilzug schon.